Wolle


Wenn du dich änderst, muss ich nicht länger leiden.

Weil ich für deinen Wollpullover gequält werde.

Für die australische Hitze bin ich nicht gemacht. Das Scheren jedes Frühjahr, das mir Erleichterung bringen müsste und mir doch nur Schmerzen bereitet, weil sie mich in aller Eile festbinden, schlagen und mir ins Fleisch schneiden. Die Feuchtigkeit, die sich in meinen Hautfalten sammelt, und die Fliegen, die ihre Eier darin ablegen. So viel Haut habe ich nur, damit ich viel Wolle produziere, unter der ich schwitze und es krabbelt und juckt. Damit die Larven mich nicht bei lebendigem Leib auffressen, wurden schon als Lamm meine Beine zwischen Metallstäbe geklemmt und mir mit einer Gartenschere große Fleischstreifen vom Hinterteil geschnitten, weil das glatte Narbengewebe die Fliegen fernhalten soll. Jetzt bin ich endlich zu alt dafür, meine Wolle reicht nicht mehr. Mein nächster Halt ist ein Schiff, das mich in den Nahen Osten bringt. Ich muss nur die wochenlange Überfahrt überleben, nicht an Hunger oder Durst sterben oder zu Tode getrampelt werden. Dann werde ich am Ziel von Bord getrieben und ohne Betäubung mit Schnitten in die Kehle getötet.

Ich will, dass du dich änderst.

Weil jedes Jahr Millionen von Schafen für die australische Wollproduktion sterben.